Staatlich befugte und beeidete Ingenieurkonsulenten für Bauingenieurwesen, Kulturtechnik und Wasserwirtschaft
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Die Ara Zoll in Alberschwende wurde neu Eröffnet


Ara Zoll Alberschwende

Die 2015 und 2016 umgebaute Ara Zoll wurde am 30. April der Bevölkerung vorgestellt. Der Blick hinter die Kulissen der Abwasserreinigungsanlage konnte einen Eindruck von der kommunalen Infrastruktur vermitteln.

Der umfassende Probebetrieb der letzten Monate hat gezeigt, dass die erneuerte Anlage alle Abwässer der Gemeindebürger  und der Gewerbe- und Gastronomie-Betriebe wirtschaftlich und energiesparend reinigt.

Grundsätzliches zur ARA

Sauberes Wasser ist Lebensgrundlage für uns Menschen und Grundvoraussetzung für eine saubere Umwelt. Wo Menschen leben und arbeiten, entsteht zwangsläufig verschmutztes Wasser. Wenn wir unseren Lebensraum schützen wollen, müssen wir dafür sorgen, dass dieses Abwasser entsprechend gereinigt wird, sodass unsere Gewässer sauber bleiben.

In Alberschwende übernimmt diese Aufgabe seit dem Jahr 1989 die Abwasserreinigungsanlage (ARA) in der Parzelle Zoll. Sie ist am unteren Ende des Ortes direkt an der Schwarzach gelegen und reinigt die Abwässer von Haushalten und Betrieben in der ganzen Gemeinde mit Ausnahme von Müselbach. Das gereinigte Wasser aus der ARA fließt direkt in die Schwarzach, von wo aus es in die Dornbirner Ach und weiter in den Bodensee gelangt.

Das macht deutlich, was für eine wichtige Aufgabe unsere Abwasserreinigungsanlage erfüllt. Die moderne Technik reinigt die Abwässer wirtschaftlich und sicher, damit der Schutz der Schwarzach und der nachfolgenden Gewässer gewährleistet ist. Wichtig ist aber auch die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger: dadurch, dass sie nichts ins WC oder die Abflüsse geraten lassen, was dort nicht hingehört.

ARA Zoll im Wandel der Zeit

Seit der Inbetriebnahme der Ara im Jahr 1989 ist die Bevölkerung  laufend gewachsen, neue Betriebe siedelten sich an. Zeitweise musste die ARA ein Vielfaches dessen reinigen, für was sie ursprünglich ausgelegt war. Zudem wurden die gesetzlichen Bestimmungen verschärft: Der bisher in der ARA betriebene Abbau von  Kohlenstoff- und Phosphorverbindungen reichte nicht mehr aus, eine Wasserrechtsnovellierung forderte zusätzlich den Abbau von Stickstoff.

Aus diesen Gründen beschloss die Gemeindevertretung 2010, einen Umbau der ARA Zoll in Auftrag zu geben. Investiert wurde dabei auch in das Leitungsnetz – insgesamt 1.900.000 Euro. Unterstützt wurde die Gemeinde dabei durch Förderungen von Land und Bund.

Neues Innenleben für die ARA

Von September 2013 bis Juni 2015 wurde die ARA auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Das ARA-Gebäude, in dem sich alle Anlagenteile befinden, wurde beim Umbau nicht vergrößert: Die Leistungsverbesserung wurde dadurch erreicht, dass Becken umgebaut, neue Anlagenteile installiert und alle Anlagefunktionen mit einer neuen Steuerungsanlage verbunden wurden. Auch ein neues Labor und neue Werkstattflächen wurden eingerichtet.

Die Reinigungskapazität der ARA nach dem Umbau genügt für 5.000 Einwohnerwerte – zum Abschluss der Erneuerungsarbeiten 2015 wurden rund 2.500 davon genutzt.

Weniger Energieverbrauch, weniger Transporte, mehr Sicherheit

Besonderes Augenmerk wurde auf einen energiesparenden Betrieb  gelegt: Der Energieverbrauch pro Kilo abgebautem Schmutzstoff ist durch den Umbau deutlich gesunken.

Durch einen neuen Rechen mit Rechengutwäsche und Verdichtung muss um die Hälfte weniger Rechengut entsorgt werden. Auch die Flüssigschlammtransporte konnten bedeutend reduziert werden: Sie sind 80 Prozent geringer als früher. Das kommt der Umwelt zugute. Großen Wert wurde beim Umbau auch darauf gelegt, die Sicherheit der Mitarbeiter zu erhöhen und durch besonders lärmarme Maschinen Rücksicht auf die Nachbarn zu nehmen.

Wie die Kläranlage funktioniert

Kanalisation

Verschmutztes Wasser von Haushalten und Betrieben gelangt über die Kanalisation zur Kläranlage. In Alberschwende wird traditionell nur das Abwasser ohne Regenwasser abgeleitet. Das spart Kosten bei Kanälen und Kläranlage.

Rechen, Fettfang und Sandfang

Wenn das Abwasser in die Kläranlage gelangt, muss es zuerst durch den Rechen. Dieser filtert grobe Bestandteile heraus. Als nächstes steht das Wasser eine Zeitlang im Sandfang, damit sich schwerer Sand absetzt. Im Fettfang werden dann Leichtstoffe, wie Fett, mit Hilfe von Druckluft abgeschieden. Das gesammelte Fett wird extern als Wertstoff zur Energiegewinnung abgegeben.

Belebungsbecken mit Kleinstlebewesen

Als nächstes gelangt das Wasser zur biologischen Reinigung ins Belebungsbecken. Dort nutzen Kleinstlebewesen organische Verschmutzungen und zugeführte Druckluft als Futter und reinigen so das Wasser. Abgestorbene Kleinlebewesen werden dabei zu Klärschlamm.

Nachklärbecken

Im Nachklärbecken wird das Abwasser vom Schlamm mit den Kleinstlebewesen getrennt. Nun ist das Wasser wieder so sauber, dass es in die Schwarzach geleitet werden kann.

Ein Teil des Schlamms mit Kleinlebewesen wird zur weiteren Nutzung wieder ins Belebungsbecken gebracht. Weil sich die Kleinstlebewesen aber laufend vermehren, wird nicht der gesamte Schlamm gebraucht.

Schlammstabilisierungsanlage

Überschüssiger Belebtschlamm aus dem Nachklärbecken gelangt in Alberschwende in eine Schlammstabilisierungsanlage. Dort wird der Klärschlamm mithilfe von weiteren Bakterien verringert. Klärschlamm ist zum Beispiel Grundlage für wertvollen phosphatreichen Dünger.

Die Kläranlage ist keine Abfallbehandlungsanlage!

Mit Abwasser, das im üblichen Ausmaß verschmutzt ist, wird die ARA Zoll locker fertig. Abfälle, Öle und Gifte gehören aber nicht in die Kanalisation – sie können diese verstopfen, behindern die Reinigung des Wassers in der Kläranlage und führen zu Störungen. Das zu beheben, kostet Geld und damit Gebühren.

Deswegen: Bitte nichts ins WC oder den Abfluss spülen, was dort nicht hingehört!

Speisereste und verdorbene Lebensmittel sind Nahrung für Ratten und verstopfen den Anschluss – bitte zum Biomüll!

Speiseöle verstopfen den Anschluss – bitte in den Öli!

Zigarettenstummel, Katzenstreu und Kleintiermist müssen in der Kläranlage teuer entfernt werden – bitte zum Restabfall!

Hygieneartikel (Binden, Slipeinlagen, Tampons, Wattestäbchen, Windeln, Pflaster, Präservative, Kosmetiktücher, …) verstopfen den Anschluss und beschädigen die Kläranlage – bitte zum Restabfall!

Textilien (Strumpfhosen, Unterwäsche, Putzlappen, …) verstopfen die Leitungen und setzen Pumpwerke außer Betrieb – bitte zum Restabfall!

Giftstoffe (Medikamente, Pestizide, Desinfektionsmittel, Farben, Lacke, Chemikalien, Akkus, Batterien, entsorgte Reinigungsmittel) verschlechtern die Reinigungsleistung der Kläranlage und landen teils ungefiltert in Gewässern – bitte zur Problemstoffsammlung!

Scharfe Gegenstände (Spritzen, Rasierklingen) sind gefährlich für die ARA-Mitarbeiter – bitte zur Alt- und Problemstoffsammlung!

Auch Abfälle aus Schlachtung, Obst- oder Schnapserzeugung und Milchverarbeitung sowie Zement, Mörtel, Bauschutt und Mineralöle gehören nicht in die Kläranlage – bitte unbedingt gesondert entsorgen!

Im Sinne der Umwelt und der Gebührenzahler: Vielen Dank!