Staatlich befugte und beeidete Ingenieurkonsulenten für Bauingenieurwesen, Kulturtechnik und Wasserwirtschaft
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DIE ERWEITERTE ABWASSERREINIGUNGSANLAGE HOFSTEIG WURDE AM 24 OKTOBER 2014 ERÖFFNET

Doppelte Reinigungskapazität auf derselben Fläche, Ökostrom und Biogas


200 Liter gereinigtes Wasser pro Sekunde (!) aus einer Region mit 66.300 Einwohnern, Industrie  und Gewerbe: Das ist der Beitrag zur Qualität von Lebensraum und Standort, den die sieben Mitgliedsgemeinden Bildstein, Fußach, Hard, Höchst, Lauterach, Lustenau und Wolfurt mit ihrer gemeinsamen Abwasserreinigungsanlage (ARA) leisten. Am 24 Oktober 2014 wurde die erweiterte Anlage in Hard offiziell eröffnet: Mit einer Investition von 8 Mio. Euro und dank innovativer Konzepte ohne zusätzlichen Bodenverbrauch haben die Gemeinden – tatkräftig unterstützt von Land Vorarlberg und dem Bund – die Reinigungskapazität verdoppelt.


Mit der offiziellen Eröffnung setzten die sieben Gemeinden des Wasserverbandes Hofsteig einen Schlusspunkt unter eine zweijährige intensive Bauphase. Die Abwasserreinigungsanlage in Hard wurde auf den technisch neuesten Stand gebracht und deren Kapazität deutlich erweitert. Im Jahresschnitt fließt pro Sekunde etwa eine Badewannenfüllung gereinigtes Wasser aus der ARA Hard über die Dornbirner Ache Richtung Bodensee.

„Der Wasserverband Hofsteig ist ein ausgezeichnetes Beispiel, wie Gemeinden gemeinsam zur Lebens- und Standortqualität in der Region beitragen können“, zieht Bgm. Harald Köhlmeier als Obmann des Wasserverbandes Hofsteig eine erfreuliche Bilanz. „Dank der gemeinsamen Anstrengungen hat sich in den letzten Jahrzehnten die Wasserqualität in den Bächen und Flüssen unserer Gemeinden und im Bodensee deutlich verbessert.“ Da die Abwassermengen genauso wie die Anforderungen an die Reinigungsqualität weiter steigen werden, ist die ARA Hard auch an internationalen Forschungsprojekten beteiligt, die sich z. B. mit Reststoffen im gereinigten Wasser auseinandersetzen.

 

Zwei Kläranlagen hintereinander statt zusätzlich verbauter Fläche

1976 nahm die erste Ausbaustufe der Kläranlage in Hard ihre Arbeit auf – für 80.000 Einwohnergleichwerte. Konsequent erfolgte in den folgenden Jahrzehnten der weitere Ausbau. „Mit dem  aktuellen Bauabschnitt wurde die Reinigungskapazität der ARA im Vergleich zu den 1990er Jahren verdoppelt – ohne zusätzlichen Bodenverbrauch“, erläutert Gerhard Giselbrecht, Geschäftsführer des Wasserverbandes Hofsteig. „Innovative Konzepte machen das möglich: Hier arbeiten im Prinzip zwei Kläranlagen nacheinander.“

 

Intensive Bautätigkeit bei laufendem Betrieb

Mehr als 30 Vorarlberger Unternehmen haben in den vergangenen zwei Jahren mitgearbeitet, um die Kläranlage auf den neuesten technischen Stand zu bringen. „Es wurden über 2.000 m3 Beton, 150 Tonnen Bewehrungsstahl und 15 LKW-Sattelzüge mit Maschinen, Armaturen, Rohren usw. verbaut“, macht Michael Gasser Geschäftsführer und zuständiger Planer von unserem Büro die Dimensionen deutlich. Ein Beispiel: Vierzig Jahre nach dem Bau der großen Becken wurde deren Tragfähigkeit durch 224 Pfähle unterhalb ihres Bodens massiv verstärkt. Die Kläranlage war während der gesamten Bauphase ohne Einschränkungen in Betrieb.

 

Mehr als nur reines Wasser: Ökostrom, Biogas und Hochwasserschutz

In den vergangenen Jahren ist der Anteil an selbsterzeugter Energie bei der ARA in Hard konsequent gestiegen. Auf der Anlage wird Biogas gewonnen, das 100 Prozent des eigenen Wärmebedarfs deckt und zusätzlich zur Stromerzeugung dient. Eine neue Photovoltaikanlage erhöht den Anteil von eigenerzeugtem Strom auf 70 Prozent. Auch Zukunftschancen finden Berücksichtigung: Beim Bau wurden die Grundlagen geschaffen, damit das geringe, aber doch vorhandene Gefälle im Wassersystem der Kläranlage bei Bedarf für die Stromerzeugung erschlossen werden kann. Das viele Kilometer lange Verbandsammler-Netz und auch die Kläranlage selbst tragen zudem zum Schutz vor Hochwasser und zum Schutz der Gewässer im Einzugsbereich bei.

 

Bedeutender Beitrag zum Gewässerschutz

Das Bauvorhaben findet deshalb auch außerhalb der Verbandsgemeinden positiven Anklang. Landesrat Erich Schwärzler: „Die Erweiterung der ARA Hofsteig mit Unterstützung von Land und Bund ist ein bedeutender Beitrag für den Gewässerschutz und auch eine wichtige Grundlage für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in der Region. Dank gebührt den Gemeinden im Abwasserverband unter Leitung von Obmann Bürgermeister Harald Köhlmeier und Geschäftsführer Gerhard Giselbrecht für das positive Beispiel einer zukunftsfähigen Gemeindekooperation, aber auch den ausführenden Planern, Sachverständigen und Baufirmen für ihre vorbildlichen Leistungen.“